22. April 2009

Geschrieben am 22.April 2009. Einsortiert unter: 1 |

Hallo alle zusammen,

Drei Monate sind jetzt wieder vergangen, seit dem ich mich hier nicht mehr zu Wort gemeldet habe. Ich hatte damals erwähnt, dass ich mich eventuell öfters um den Blog kümmern würde; daraus ist offensichtlich nichts geworden. Allerdings habe ich ja noch weitere drei Monate hier, also besteht noch Hoffnung auf Besserung.

Was ist hier passiert seit Weihnachten? So einiges wie man sich vorstellen kann. Da wäre erstmal die Weihnachtsfeier am Strand, eine Höhlen Tour, ich habe den Schweißkurs beendet und bin jetzt Besitzer des National Certificat II, zwei Wochen Urlaub in Tagaytay und Manila, ich habe eine neue Aufgabe und noch ein bisschen mehr. Anfangen möchte ich mit der

Solusugue-Saison

Solusugue ist Waray-Waray für Blue Marlin. Ein First-Class Fisch, der bis zu 4m lang und 540kg schwer werden kann und normalerweise in Edelrestaurants für horrende Summen gegessen wird. Hier in Balangiga kommt er jetzt im Sommer ganz nahe an die Küste, so dass ihn die lokalen Fischer ohne Spezialausrüstung fangen können. Da der ausgewachsene Fisch allerdings fast so groß wie das Standard-Fischerboot hier wird und normalerweise sowieso größer ist als der durchschnittliche Fischer kann das ganz schön gefährlich werden, zumal der Fisch noch mit einem 50 cm langen Schwert als Oberkiefer und Flossen die ihn kurz fliegen lassen ausgestattet ist. Laut den Geschichten der Einheimischen kann es vorkommen, dass der Fisch während dem Fangvorgang, der wie man sich vorstellen kann etwas länger dauert (ca.3h), da der mit einer einfachen Angelschnur gefangen Fisch zu nächst ermüden muss um ihn schließlich in das Boot laden zu können, mit seinem Schwert das Boot aus einfachem Holz oder gar die Brust eines Fischer durchbohrt.
Die Gefahr hält allerdings nur wenige davon ab den Fisch trotzdem zu fangen, schließlich bringt das einen Haufen Geld und auch Ruhm mit sich.
Der Preis hängt vom aktuellen Angebot ab, während der Saison durchschnittlich 160 philippinische Pesos, er kann aber auch mal auf 80 PHP fallen. Der Euro steht im Moment bei etwa 63 Pesos, das Kilo kostet hier also zwischen circa 1,20 Euro und 2,50 Euro. Im Internet habe ich ein Angebot in Deutschland für tiefgefrohrenen Blue Marlin für 17 Euro pro Kilo gefunden…
Der dritte April ist das Gründungsdatum von Balangiga. Am Foundation Day wird jedes Jahr das Solusugue-Festival gefeiert. In unterschiedlichen Wettbewerben werden die Gewinner gekürt, zum Beispiel, wer den ersten Fisch der Saison gefangen hat, wer den größten und wer den schwersten hat. Außerdem findet ein Kochwettbewerb statt, wer den besten Blue Marlin zubereitet gewinnt. Die Stadt spendiert den Fisch und das Ergebnis kann jeder probieren.
Dieses Jahr fand die Feier zu meinem Leidwesen allerdings in sehr kleinem Massstab statt, weil das im Haushalt vorgesehen Geld schon verbraucht war. Kritiker sagen der Bürgermeister hätte ein neues Auto gebraucht.
Aber ich bin schon froh, dass ich im Moment jeden Tag ein erste Klasse Fischsteak für 25 Peso essen kann.Blue Marlin

Shielded Metal Arc Welding-NCII

NCII

NCII

Wie schon gesagt bin ich nun stolzer Besitzer des National Certificat II in Shielded Metal Arc Welding, was in deutsch Handlichtbogenschweißen heißt.
Was mir das bringt werde ich noch herausfinden müssen. Wenn man meinen Lehrer fragt und auch andere Angestellte meiner Schule, qualifiziert es mich dazu als Schweißer zuarbeiten vor allem im gelobten Ausland („to go abroad“). Ich könne meinen eigenen Shop aufmachen oder auch als Lehrer in Deutschland arbeiten. Viele gehen davon aus, dass ich hierher gekommen bin, weil man das in Deutschland nicht lernen kann. Dort werden sie wohl froh sein, endlich jemanden zuhaben der ihnen das Geheimnis des Schweißen beibringen kann.
Ich beschreibe hier mal meine Prüfung, um die Lehre in einem Entwicklungsland wie den Philippinen und vielleicht auch den Wert dieses Kurs darzustellen.
Die Prüfung besteht aus drei Teilen, einem Multiple-choice Test, einem praktischen Teil und einem persönlichen Interview.
Zur Vorbereitung auf die Prüfung gab es am Vortag schon mal einen Probetest. Wie sich am nächsten Tag herausstellte war es haargenau der gleiche wie der Prüfungstest. Aber das war eigentlich egal, weil eh schon jeder die Buchstabenkombination in seinem Handy eingespeichert hatte. Die Kombination hatte ein Student von seiner Tante, die hier arbeitet. Die tatsächliche theoretische Prüfung war eher eine Gruppenarbeit. Da der Prüfer mit unserem Lehrer (absichtlich?) raus gegangen war um Kaffee zutrinken oder ähnliches, konnte jeder seine Lösungen mit dem Nachbarn vergleichen. Einige Leute habe mir übrigens erzählt, dass es in der Highschool und auf dem College so ähnlich zugeht.
Der praktische Teil bestand aus zwei Aufgaben. Wir mussten zwei Stahl Platten auf ca. 16 Zentimetern horizontal und ein Rohr mit etwa 20 Zentimeter Durchmesser verschweißen. Beim Rohr konnten wir uns aussuchen ob es horizontal oder 45 Grad Steigung haben sollte. Im Training hatten wir acht Positionen für das Verschweißen von zwei Stahlplatten sowie die zwei Positionen für Rohre geübt. Die Positionen sind jeweils flach, vertikal, horizontal und über dem Kopf für parallele Platten sowie für T-Verbindungen.

SMAW


Das Rohr wurde in der Prüfung mit einem Partner geteilt, so dass jeder eine Hälfte bearbeitet. Zusammen mit dem Partner und einer weiteren Zweiergruppe musste man sich eine Schweißkabine teilen. Von den vier Leuten die zunächst die zwei Platten bearbeiten sollten war ich als letzter dran. Da mein Partner diese Position überhaupt nicht konnte brauchte er alleine etwa eine Stunde und ein Kilo Elektroden, während dessen hatte ich nichts weiteres zutuen, als zu warten das die Zeit verstreicht. Ihm zu zuschauen hat mich fast zum ausrasten gebracht, und ich musste ihn schließlich verscheuchen, als er nach einer Stunde nicht zu frieden war und mit zwei neuen Platten noch mal von vorne anfangen wollte. Ich konnte ihm klar machen, das es für alle besser wäre, wenn er erstmal eine Pause mache.

Die erste Aufgabe hatte ich in zehn Minuten vollendet, an der zweiten bin ich dann allerdings fast verzweifelt, da ich dank der Umstände total müde und unkonzentriert war. Zum einen war da das erneute Warten, als ich mit der zweiten Aufgabe anfangen konnte war es schon fast 7 Uhr abends, der Multiple-choice Test war um 7 Uhr morgens. Außerdem war die Kabine die sich mein Partner ausgesucht hatte absolut Schrott. Er hatte sie gewählt, weil er mit dem Schweißgerät dort am besten zurecht kam, und das war auch recht gut. Dafür war die Befestigung für das Arbeitsstück kaputt; das Gewinde der Feststellschraube war defekt, deshalb musste man den Arm der Befestigung festhalten, damit das Arbeitsstück nicht während dem Schweißen nach hinten weg rutscht und zwischen drin mal einen Meter absackt, was es trotz aller Bemühungen immer mal wieder tat.
Um neun Uhr gab ich auf und fragte den Trainer ob ich am nächsten Tag früh morgens weiter machen könne. Da ging dann alles weit aus leichter und ich konnte nach einer halben Stunde mit dem Interview weiter machen.

Die erste Frage war warum ich der Einzige war der im theoretischen Test alle Fragen richtig hatte. Da war ich auch ratlos. Das heißt, dass es trotz das es der gleiche Test wie in  der Vorbereitung war, keiner geschafft hat die im Handy eingespeicherte Kombination hundertprozentig aufs Blatt zu übertragen. Die weiteren Fragen waren nicht grade zu schwer, trotzdem meinte der Prüfer, dass ich der einzige war der sie alle zufrieden stellend beantworten konnte. Das lag wohl daran, dass sich die anderen nicht die Mühe gemacht hatten das Handbuch durch zu lesen und wenn doch dann hatten sie es nicht verstanden. Bestanden haben am Ende doch alle außer einem einzigen.

Das heißt aber nicht sofort, dass die Ausbildung schlecht ist, meiner Meinung ist das Gegenteil der Fall, der praktische Teil ist sogar sehr gut, doch man muss am Ende auch schlechte Schüler durchfallen lassen und kann nicht einfach jeden durch winken wenn man will, dass das Zertifikat etwas Wert ist.

Seit dem Ende des Kurses habe ich jetzt eine neue Aufgabe: das erstellen einer Webseite für meine Schule. Damit beschäftige ich mich im Moment, ich sammele Informationen über die angebotenen Kurse, die Lehrer, die Angestellten, schreibe Artikel, mache Fotos und arbeite am Design der Seite.
Voraussichtlich Anfang Mai wird dann wieder Reis gepflanzt. Es ist unglaublich wie schnell hier alles wächst, das letze Mal wurde im November gepflanzt, die Ernte ist schon fast einen Monat her, letzten Oktober haben wir Papayas gepflanzt, die größten Pflanzen sind jetzt 1,5 Meter hoch und tragen schon Früchte.
Dieses Mal werden wir eine neue Art Reis anzupflanzen ausprobieren. Dabei werden die einzelnen Pflanzen nicht 10 sondern bis zu 40 Zentimeter auseinander gepflanzt und nur ein Setzling pro Hügel, dadurch lassen sich fast 80% Saatgut sparen. Zu dem wird nicht ständig bewässert sondern nur in einem Zyklus von drei Tagen Bewässerung und sieben Tagen Trockenperiode. Dadurch erhalten die Wurzeln mehr Sauerstoff und die Pflanzen sollen weit mehr Ertrag erzielen, obwohl weniger gepflanzt wurde. Ich bin auf das Ergebnis gespannt.

Mein Ausreisedatum steht übrigens schon fest. Am 29.Juli geht es los, durch die lange Reise wird es dann wohl der 30. sein, bis ich wieder zurück bin. Ich freue mich schon darauf alle wieder zusehen, aber bis es soweit ist genieße ich noch mein tägliches  Solusugue-steak.
Liebe Grüße
Christoph

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Eine Antwort to “22. April 2009”

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Nice Article !
Lg Jonas


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